Europa! Europa!

INHALT: 
Der Blick des André Heller auf den Kontinent Afrika hat uns zu einem besonderen Abend inspiriert: Wir zeigen eine künstlerische Übersetzung des Vertrags von Lissabon*.

Wenn die wichtigsten Texte unseres Lebens Gesetzestexte sind, dann ist der Vertrag von Lissabon wohl der wichtigste Text Europas.
Ein Text, dem das dramatische Scheitern bereits anhaftet, sollte er ursprünglich doch ein Verfassungstext für Europa werden (s.u.)
Und vielleicht wird er in alle Zukunft ein vergeblicher Text sein. Tragisches Material also, das es verdient, gebührend in unsere Aufmerksamkeit gerückt zu werden.

Kann ein Gesetzestext dramatisiert werden? Die Unmöglichkeit interessiert uns, die Überforderung, die dem Unterfangen diesen Vertrag "aufzuführen" zugrunde liegt, der "hellersche" Gestus des Größenwahns und die Vision künstlerisch aufklärend tätig zu sein, leitet uns. Unser Kunststück ist der Text des Vertrags. Er ist das Risiko, dem wir uns aussetzen. Eine eigene Akrobatik wird notwendig.

* Der Vertrag von Lissabon (ursprünglich auch EU-Grundlagenvertrag bzw. -Reformvertrag genannt) soll der Europäischen Union eine einheitliche Struktur und Rechtspersönlichkeit geben und den abgelehnten Vertrag über eine Verfassung für Europa (VVE) ersetzen. Beim EU-Gipfel am 18. und 19. Oktober 2007 einigten sich die Staats- und Regierungschefs auf den endgültigen Vertragstext, der am 13. Dezember 2007 in Lissabon unterzeichnet wurde. Bis Ende 2008 sollte der Vertrag durch alle Mitgliedstaaten ratifiziert sein, so dass er am 1. Januar 2009 hätte in Kraft treten können. Jedoch wurde der Reformvertrag von Irland am 12. Juni 2008 in einem Referendum abgelehnt. Während in den übrigen 26 EU-Mitgliedstaaten eine Ratifizierung des Vertrags allein durch eine (zustimmende) Abstimmung ihrer nationalen Parlamente erfolgt, ist Irland der einzige EU-Mitgliedstaat, in dem jegliche Änderung der EU-Verträge einer Abstimmung durch ein Referendum bedarf. (Quelle Wikipedia )

Wir spielen mit dem Prinzip " Übersetzen": Übersetzen als grundsätzlicher Vorgang des Verständlichmachens und als Quelle der Missverständnisse. Wir zeigen Formen des Verstehenwollens.
"Wie um Himmels willen kann ich das verstehen, und wie um Himmels willen wird man mich verstehen? Gebt mir einen Übersetzer, denn auf mich möchte ich mich nicht mehr verlassen."
Das Theater im Bahnhof wird künstlerische Übersetzungen für das Publikum liefern, Behauptungen aufstellen, Annäherungen finden, und sich selbst der Prüfung unterziehen, etwas Fernes persönlich zu machen. Die Zuschauerinnen sollen durchaus gefordert werden. Manchmal kommt es zur Überforderung, jedoch wir sind sicher: Eine Erfahrung mit Europa wird gemacht. Sie gehen garantiert klüger nach Hause!

Illusion und Überforderung: Die ZuschauerInnen verfolgen das Geschehen auf verschiedenen Ebenen. Über die Kopfhörer einer handelsüblichen Dolmetschanlage wird der Zugang zu den SpielerInnen hergestellt, es geht um Empathie und Exotismus: Wir hören die einnehmende Stimme einer Dolmetscherin mit leichtem Akzent, und folgen mit unserem Augen den DarstellerInnen, die eigenwillige Formen der Akrobatik zeigen.

CAST/MITWIRKENDE:
Beatrix Brunschko, Juliette Eröd, Pia Hierzegger, Gabriela Hiti, Eva Maria Hofer, Elisabeth Holzmeister, Monika Klengel, Martina Zinner, Jacob Banigan, Lorenz Kabas, Rupert Lehofer
Raum/Ausstattung: Heike Barnard, Johanna Hierzegger
Musikalischer Chor: Matthias Unterkofler
Gebärde: Eva Kabas
Produktionstechnik: Moke Klengel
Sound: Moritz Wallmüller
Technische Einrichtung: Martin Schneebacher
Regie: Helmut Köpping, Ed. Hauswirth
Dramaturgie: Rupert Lehofer

© theater-im-bahnhof.com

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Theater im Bahnhof1
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Das Theater im Bahnhof (TiB)/Graz ist das größte professionelle freie Theaterensemble Österreichs. Das TiB/Graz versteht sich per Eigendefinition als zeitgenössisches Volkstheater, und setzt sich seit seinen Anfängen mit österreichischer Identität zwischen Tradition und Pop auseinander.

Kategorien: Bühnen

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