Der Ruhm des Beliebigen
Was lässt uns also die Ungewissheit der Komplexität, die Unübersichtlichkeit des Reiches der Geschichten wie des Reiches der „wirklichen” Welt ertragen? Ist es „die unumgängliche Konstruktions- und Reduktionsarbeit“ (Alexander Kluge), oder sind es Formen der Überschreitung, des Exzesses und der Verausgabung? Geht es um die Verwischung von Grenzen, wenn deren Verschiebung oder gar Aufhebung nicht gelingt? Muss bei der Vermeidung von Unglück nicht jeder Unterschied zwischen unten und oben, drinnen und draußen, bekannt und geheim, fiktiv und wirklich einer zugleich strengen wie potenziell vergeblichen Prüfung unterzogen werden?
„Der Ruhm des Beliebigen“ (Jacques Rancière) widmet sich dem Verlust gemeinsamer Maßstäbe zwischen diesen Polen, der schwierigen Grenzziehung zwischen Privatheit und Politik, Normalität und Exzess, Identität und Stereotyp, Wesentlichem und Unwesentlichem. Schnell zeigt sich, dass jeder Versuch, ein überschaubares soziokulturelles Terrain aufrechtzuerhalten, zum Scheitern verurteilt ist. Doch die Antwort darauf sind nicht Rückzug, Verweigerung und Ignoranz, sondern Versuche der Umkehrung, Umdeutung und des Umschreibens.
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