RETTET DIE UNIS! Österreich braucht die besten Unis für die hellsten Köpfe.Zurück

Weit abgeschlagen sind unsere Hochschulen im aktuellen Uni-Ranking – DI Herbert Paierl weiß, woran’s liegt und was man tun muss.

OECD,Uni-Ranking,Einkommen,Raten,österreichische Hochschulen,einheitlich,Kosten,Modell,Fächer,Analysen,Drop-out,Hörsäle,finanzieren,DI Herbert PaierlIm aktuellen Uni-Ranking finden wir unsere österreichischen Hochschulen weit abgeschlagen.

Erst auf den Plätzen 151 bis 200 taucht die erste heimische Uni auf.

Rot-weiß-rotes Schlusslicht ist die TU Wien, an der ich 1970 selbst mein Studium begonnen habe.

Mit mir inskribierten damals österreichweit 8.683 Kommilitonen.

Denkfehler.

Zu diesem Zeitpunkt ging die Politik unter Wissenschaftsministerin Hertha Firnberg von der Annahme aus, dass die Zahl der Studienanfänger Mitte der 1980er Jahre mit 16.000 Erstinskribierenden den Höhepunkt erreichen und danach bis Ende der 1990er Jahre auf etwa 10.000 sinken wird. Falsch gedacht: Nicht 10.000, sondern mehr als doppelt so viele Studierende haben bereits in den 1990er Jahren jährlich ein Studium begonnen und diese Zahl ist mittlerweile auf ca. 50.000 gestiegen.

Helle Köpfe braucht das Land.

Nun kann ein Land nie genug helle Köpfe haben, deshalb sind steigende Studierendenzahlen wünschenswert. Allerdings nur auf die Quantität – nämlich die Anzahl der Studierenden – zu schauen, wäre ein großer Fehler. Auch die Qualität muss stimmen. Überfüllte Hörsäle, unzureichende akademische Betreuung und jede Menge fachfremde Nebenjobs zur Studienfinanzierung verlängern die Studiendauer und erhöhen die Drop-Out-Quoten.

Rettung der Unis.

Hier sehe ich akuten Handlungsbedarf. Deshalb habe ich gemeinsam mit meinem  Team vom management  club und dem Hochschulforscher Dr. Hans Pechar ein Modell zur Rettung unserer Unis erarbeitet, um unsere Unis zukunftsfit und  zu Ausbildungsstätten für die hellsten Köpfe zu machen.

1.

Die Unis brauchen mehr Geld

 

Die Investition in unsere Hochschulen ist von großer Bedeutung. Trotzdem fließt zu wenig Geld in die Universitäten. Im OECD-Vergleich liegt Österreich im Mittelfeld. Unsere Hochschulausgaben betragen 1,3% des Brutto-Inlands-Produkts. Weit darüber liegen Amerika mit 3,1% oder Kanada mit 2,6%. In Europa liegen die nordischen Länder an der Spitze.

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Wie funktioniert’s?

Mehr Geld für die Universitäten müssen sowohl vom Staat, als auch von den Studierenden kommen: Einerseits ließe sich durch die Reduktion der ÖIAG Anteile an Telekom Austria, Post AG und ÖMV eine Milliarde an Privatisierungserlösen für die Universitäten gewinnen und andererseits würden angemessene Studiengebühren von € 500 pro Semester den Universitäten weitere 250 Millionen Euro pro Jahr bringen.

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Was bringt‘s?

Der Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort Österreich wird gestärkt, Studienbedingungen werden verbessert und die Zahl der Absolventen erhöht sich.

2.

Die akademische Ausbildung braucht mehr Qualität

 

Wenn es für Universitäten mehr Geld geben soll, dann muss auch sichergestellt sein, dass dies im Rahmen gesicherter Qualitätsstandards der Ausbildung der Studenten zugutekommt. Das gelingt nur mit einer transparenten Studienplatzfinanzierung.

Für Fachhochschulen gibt es die Studienplatzfinanzierung bereits: Der Finanzbedarf pro Student eines Studienfaches ist definierbar und steht fest. Für Universitäten fehlt ein vergleichbares Finanzierungsgerüst.

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Wie funktioniert’s?  

Die Berechnung könnte in Anlehnung an das englische Modell erfolgen: Dabei werden Fächer mit hohem Investitionsanteil wie z.B. Medizin über Faktoren höher gewichtet als „Paper-and-Pencil“-Fächer. Darüber hinaus fließen studentenbezogenen Faktoren ein, die berücksichtigen, dass z.B. Teilzeitstudierende höherer Kosten verursachen.

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Was bringt‘s?

Planungssicherheit für Hochschulen und bessere Studienbedingungen für Studenten.

 3.

 Studenten und Unis brauchen Aufnahmeverfahren


Das genaue Wissen um die Kosten eines Studienplatzes macht es notwendig, auch die geeigneten Studenten für diesen Platz zu finden. In den letzten Jahren haben sich alle hastig entworfenen Aufnahmeverfahren als nicht unbedingt optimal erwiesen. Bei einem Ansturm auf manche Studienrichtungen war bisher nicht gewährleistet, dass die qualifiziertesten Studenten in das Studium eintreten können.

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Wie funktioniert’s?

Das eine, einheitliche Auswahlverfahren für alle Studienrichtungen gibt es nicht.  Aber man kann Richtlinien schaffen, die für alle Hochschulen verbindlich sind. Folgende Kriterien lassen sich dazu heranziehen: Die Schulleistungen in studienrelevanten Fächern, Eingangsprüfungen, Interviews und autonom festgelegte Kriterien je nach Studienrichtung.

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Was bringt‘s?

Mehr Verantwortungsbewusstsein der Universitäten gegenüber ihren handverlesenen Studenten, ein besseres Monitoring durch Analysen von Studienerfolgen und Abbrüchen und dadurch eine Anpassung der Aufnahmekriterien, erhöhte Erfolgschancen der Studenten.

4.

Studenten brauchen mehr Eigenverantwortung

 

Warum genau sollen die Eltern eines erwachsenen Menschen, der sich entschieden hat zu studieren und von zuhause auszieht, Kinderbeihilfe bekommen? Um die Unabhängigkeit und die Eigenverantwortung der Studierenden zu stärken, schlage ich vor, die Kinderbeihilfe ab Studienbeginn durch ein öffentliches, staatliches Darlehen zu ersetzen.

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Wie funktioniert’s?

 Jedem Studierenden steht dann ein Betrag der Größenordnung von € 1.000 bis € 10.000 pro Jahr zu. Die Rückzahlung dieses Darlehens ist vom späteren Einkommen der Studenten abhängig: Mindestens müssen € 200 pro Jahr zurückgezahlt werden, je nach Einkommen werden die Raten darüber gestaffelt. Dieses Darlehenssystem lässt sich über das Grundstudium hinaus auf das lebenslange Lernen erweitern – z.B. auf ein späteres Doktoratsstudium. Bestehen bleiben soll auf alle Fälle das derzeit nicht rückzahlbare „Sozialstipendium“, um auch weiterhin Studierenden aus einkommensschwachen Familien ein Studium zu ermöglichen.

Was bringt‘s? 

Die finanzielle Unabhängigkeit der Studenten wird gestärkt und ein ausbildungsfokussiertes Studium erleichtert, weil es nicht mehr durch Erwerbstätigkeit finanziert werden muss.

 © DI Herbert Paierl Präsident des management club

TIPP: Hier hat Uni-Experte und -Professor Dr. Hans Pechar vier Thesen für eine neue Hochschulpolitik zum Kommentieren und Mitdiskutieren veröffentlicht – schauen Sie rein und reden Sie mit!