ReviewZurück10.11.2011

Melancholia – Lars von Triers neues Meisterwerk raubt einem den Atem

Von Teresa Losonc

Ein Film über das Ende der Welt und den Anfang von menschlicher Stärke - von Trier schickt seine Starbesetzung in eine meisterhaft choreographierte Studie über Liebe, Familie, Vergangenheit und Zukunft.

Wer zuletzt lacht, lacht am besten.

Justine (Kirsten Dunst) fährt zusammen mit ihrem frisch gebackenen Ehemann Michael (Alexander Skarsgard, bekannt als Vampir in True Blood) zum Anwesen ihrer Schwester, um die Hochzeit gebührend zu feiern. Soweit scheint alles gut – bis sich die verkorkste Verwandtschaft zu Wort meldet: die desillusionierte Brautmutter (Charlotte Rampling), deren verschrobener Ex-Mann (John Hurt), die konservative Schwester Claire (Charlotte Gainsbourg) und der Schwager John (Kiefer Sutherland). Dieser Abend steht unter keinem guten Stern. Übrig bleibt Justine, verlassen und ohne Job vergräbt sie sich und badet in depressiver Einsamkeit.

Claire zeigt ihre Fürsorge und kümmert sich um die Schwester, die den Halt verloren hat. Ein sich nähernder Planet, der sich hinter der Sonne verborgen hielt, taucht auf. Claire wird unruhig, da sie eine bevorstehende Kollision vermutet, doch ihr astronomisch versierter Gatte beruhigt sie. Als der Planet die Erde passiert und sich wieder entfernt (göttlich: das von Claires Sohn entworfene „device“, um zu errechnen wie schnell sich der Planet entfernt/annähert) atmet Claire auf.

Melancholia ist ein wunderschön gemachter Film über das Ende der Welt. Die Anfangsszenen erinnern an Leibowitz-Fotostrecken, die Sequenzen aus dem All an The Tree of Life, mit Anspielungen auf Kubricks A Space Odyssey. Meisterhaft choreographiert, teils schon in den Kitsch driftend, zeigt von Trier Abgründe, Fürsorge, und Panik. Die Welt geht unter und scheinbar ist der Mensch schon so abgestumpft, dass er erstaunt ist dass die Tierwelt in Aufruhr gerät. Menschen die bisher ruhig und gelassen erschienen, ändern abrupt die Richtung. Justine, die im Leben so haltlos ist, wird durch die Ankunft des Planeten stark und sicher, bietet sich im Schein des Planeten diesem nackt an. Sie kümmert sich zum Ende hin um alle Übriggebliebenen.

Spektakulär das Ende. Die nervösen Tiere werden ruhig, das bedrohliche Dröhnen des Planeten wird immer lauter und als das Ende kommt, ist alles still.

Trailer

Meine Wertung:
5.00 Kinomos


  • Jahr: 2011
  • Länge: 130 min
  • Regie: Lars von Trier
  • Drehbuch: Lars von Trier
  • Darsteller: Kirsten Dunst, Charlotte Gainsbourg, Alexander Skarsgard, Charlotte Rampling, John Hurt, Kiefer Sutherland
  • http://www.melancholiathemovie.com

Bei uns müssen Cineasten nicht fasten!

Hier erwartet euch Filmkritik wie man sie sonst nirgends lesen kann.

Rede- und pressefrei liefern euch die kleinen KINOMOs jede Woche Reviews, Previews, Feature-MOs und ein dreistes Etwas zu einem ausgewählten kulturellen Spezialbock, der irgendwo auf der Welt geschossen wurde.

In den Terminen findet Ihr Events, Festivals, Filmabende, Autogrammstunden und vieles mehr.

Wer jetzt denkt "WAT? WER SEID IHR DENN?", dem sei unsere Selbsterklärung nahegelegt:

mehr...