PEEPSHOW, 12. 1.2010
„Die Kabine einer Peepshow erlaubt es den Kunden, durch ein kleines Fenster hindurch, eine Szene in einem benachbarten Raum zu betrachten. Die lediglich partielle Sicht reizt dabei die Vorstellungskraft und befeuert die Fantasie. Würde man ein Foto von diesem Fenster machen, so erhielte man das flache, quadratische Bild eines winzigen Ausschnitts der Realität; einen Bruchteil jenes Stoffes, aus dem das Leben gemacht ist.“
Marie Brassard
Rotkäppchen geht in den Wald, um seine kranke Großmutter zu besuchen. Ein Teenager genießt es, von einem Fremden verfolgt zu werden. Ein kleines Mädchen ist sich nicht sicher, ob ihr Freund sie wirklich mag, oder sie nur wegen ihres süßen Hundebabys besucht. Ein Mann sinniert über verschiedenste Trennungsmöglichkeiten von einer Geliebten, ein anderer fühlt verstörte Wut über das bittere Ende einer Affäre. Ein Mädchen will nicht an Monster glauben. Eine Frau trifft zufällig ihren Ex-Geliebten und meint einen Augenblick lang, wahre Liebe gespürt zu haben. Ein Schulkind vermutet einen tieferen Sinn hinter den Fragen seiner Lehrerin. Rotkäppchen legt sich nackt zu ihrer wölfischen ‚Großmutter‘. Eine Lehrerin mit gebrochenem Herzen öffnet eine Wunde immer wieder – um sich an eine vergangene Liebe zu erinnern. Ein Monster philosophiert unter der Erde.
Brassards Peepshow gewährt kurze Einblicke in den Kreislauf von Verlieben und Verlassen, den menschlichen Hunger nach neuen Erfahrungen, die Grauzone des Begehrens und die Suche nach Nähe oder was davon übrig bleibt. Wie Mosaiksteine formieren sich fragmentarische Geschichten über Versuchungen, Verirrungen, Enttäuschungen und Selbsttäuschungen zu einem Kaleidoskop menschlichen Verlangens. Ambivalente Momentaufnahmen von schlichter Poesie, mal schmerzhaft, mal witzig, mal befremdend – in einer packenden Mischung aus Alltag, Märchen und Fantasie.
Besetzung:
Regie: Anna-Sophie Mahler
Bühne und Kostüme: Sophie KRAYER
Musik: Gerriet K. SHARMA
Dramaturgie: Regula Schröter
mit: Martina Stilp, Gerriet K. SHARMA
Hofgasse 11, 8010 Graz
Tel: +43 316 8008 - 44
Fax: +43 316 8008 - 1520
Das Schauspielhaus Graz am Grazer Freiheitsplatz ist eines der renommiertesten Theaterhäuser Österreichs und zählt zur Oberliga im deutschen Sprachraum. Es wurde 1776 eröffnet und nach dem Brand in der Christnacht 1823 in der heutigen äußeren Form wiedererrichtet.
Kategorien: Bühnen