Radetzkymarsch, 23.Oktober
Zum Stück
Das Leben des jungen Leutnants Carl Joseph Trotta steht im Zeichen einer längst vergangenen Heldentat. Sein Großvater rettete in der Schlacht bei Solferino dem Kaiser Franz Joseph das Leben. Die Tat ging in die Geschichte ein – und die nachfolgenden Generationen können sich dem Mythos des vorbildhaften Märtyrers nicht entziehen. Doch die Zeiten für Helden scheinen gezählt.
Carl Josephs Gemüt ist gekennzeichnet von Melancholie und Stagnation. Nachdem sein Freund Doktor Demant in einem Duell zu Tode gekommen ist, lässt sich Carl Joseph in eine Grenzstadt am östlichen Rand der Monarchie versetzen. Während im Innern des habsburgischen Reichs noch Normalität behauptet wird, stehen an der Grenze die Zeichen auf Untergang. Längst tanzt man hier einen Totentanz, der auf direktem Weg in die Schrecken des Ersten Weltkriegs mündet.
Joseph Roth erweist sich in diesem Jahrhundertroman als sensibler Chronist einer Zeitenwende. Der politische und gesellschaftliche Zerfall im Pulverfass Europa wird erfahrbar gemacht anhand der Geschichte der Familie Trotta. Mit dem Tod des Kaisers und dem Auseinanderfall der Donaumonarchie nimmt auch die Saga der Familie Trotta ein Ende.
Zum Autor
Der österreichische Schriftsteller, Essayist und Journalist Joseph Roth wurde 1894 in Brody bei Lemberg geboren und starb 1939 im französischen Exil. Neben dem Radetzkymarsch zählen Hiob, Die Kapuzinergruft, Die Legende vom Heiligen Trinker und Hotel Savoy zu seinen bedeutendsten Romanen und Erzählungen. In seiner Literatur beschäftigte er sich mit dem Schicksal der Donaumonarchie und dem Schicksal der jüdischen Gemeinschaft. 2009 jährt sich Joseph Roths Todestag zum siebzigsten Mal.
Zum Regisseur
Ingo Berk, Jahrgang 1975, inszenierte u.a. am Schauspielhaus Zürich (Enda Walsh: The New Electric Ballroom), an der Schaubühne am Lehniner Platz Berlin (Marius von Mayenburg: Augenlicht und Der Stein), am schauspielhannover (Heinrich von Kleist: Prinz Friedrich von Homburg und Anja Hilling: Schwarzes Tier Traurigkeit) und am Theater Bonn (zuletzt Eugene O’Neill: Eines langen Tages Reise in die Nacht). Am Schauspielhaus Graz inszenierte er in der letzten Spielzeit Oedipus von Sophokles.
Inszenierung: Ingo Berk
Bühne / Kostüme: Damian Hitz, Renáta Balogh
Musik: Patrik Zeller
Dramaturgie: Andreas Karlaganis
Mit: Gerhard Balluch, Otto David, Julian Greis, Alexander Knaipp, Claudius Körber, Bettina Lohmeyer, Gerti Pall, Markus Schneider, Franz Solar, Dominik Warta
© Schauspielhaus Graz
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Kategorien: Bühnen