Salam.Orient, Kermani, 4. November
SALAM.ORIENT IN GRAZ
Begegnung der Kultur als essentieller Auftrag
Kulturelle Partizipation, sei das aktiv oder rezeptiv, ist essentieller Bestandteil unseres menschlichen Zusammenlebens. Freiheit, Toleranz, Solidarität und Menschlichkeit sind Schlagworte, die vielerorts kolportiert werden, leider immer häufiger mit negativen Assoziationen.
Mit Salam.Orient schaffen die Grazer Spielstätten einen Beitrag zum inneren Zusammenhalt unserer Gesellschaft, gehen mit dieser Kooperation mit dem Festival Salam.Orient Wien und der Steirischen Gesellschaft für Kulturpolitik einen neuen Weg, versuchen aufmerksam zu machen, wollen anders denkende Menschen und deren Kultur ernst nehmen und präsentieren. Das Programm schließt dabei mit Theater, Musik und Vortrag drei wichtige kulturelle Vermittlungs-Formen ein, die auf Information und Dialog setzen und Raum für kreative Entfaltung setzen.
Was haben Ausgrenzung, Vorurteile und Ängste, die geschürt werden und die Gesellschaft spalten mit politischer Ausrichtung zu tun?
Künstler und Kulturveranstalter haben die Verpflichtung Stellung zu beziehen, auf Entwicklungen unseres Lebens zu reagieren und insbesondere Strömungen, die das Individuum seiner Freiheit berauben, zu kommentieren. Integration kann daher auch über Kunstvermittlung verstanden werden.
Künstlern und Kulturveranstaltern wird immer wieder linkes Gedankengut attestiert. Ein Faktum, das nicht der Realität entspricht. Es kann bei Fragen nach Menschen und deren Handlungsspielraum nicht um politische Ausrichtungen gehen. Dialog und Respekt sind unverzichtbarer Bestandteil von gelebter Demokratie und offener Gesellschaft. Und das geht durch Hetze vom rechten Rand verloren!
Wäre es nicht an der Zeit zu erkennen, wie viel Potential und Chancen Integration und Respekt vor dem jeweils anderen in sich tragen?
Bilder in unseren Köpfen
Ein gelungenes Beispiel für Integration stellt der marokkanische Sänger Kadero dar. Seit einigen Jahren lebt er in Österreich. Hier arbeitet er vor allem mit Jazz-Größen, auch mit dem legendären Joe Zawinul. Mit dem Akkordeonisten Otto Lechner gründete er 2001 das Vienna Rai Orchester. Arbeitsschwerpunkte sind das Verhältnis zwischen Orient und Okzident und der interreligiöse Dialog. Gute Rahmenbedingungen und ein kritischer Diskurs können die kulturelle Vielfalt und breit gestreute künstlerische Aktivitäten fördern. Das dokumentieren zwei außergewöhnliche Künstler, die Orient und Okzident zwar nicht als Einheit zusammenführen, wohl aber über Wurzeln und Zugänge sprechen, diese hinterfragen, reflektieren und folglich vorleben, wie Menschen unterschiedlichster Kulturen miteinander unser Leben prägen, und das ohne ihre eigene Herkunft verleugnen zu müssen.
Ähnliches gilt für Schriftsteller und Orientalisten Navid Kermani und das Freedom Theatre mit Fragementen aus Palästina - eine Reise vom komplexen Alltag in Palästina über die künstlerische Reflexion auf die Bühne des Theaters.
„Salam.Orient 2009 ist ein Statement, dass alles auch ganz anders sein kann, dass die Bilder in unseren Köpfen stimmen und zugleich nicht stimmen“, schreibt der Gründer von Salam.Orient Wien, Norbert Ehrlich. Das Grazer Programm soll Klangwelten und Meinungen einer nahen Welt vorstellen, einer Welt, die vor Ort seit Jahrzehnten präsent ist, die wir wahrnehmen müssen und von Menschen getragen wird, die längst in unserer Heimat ihre eigene neue Heimat gefunden haben.
Christoph Thoma
Geschäftsführer und künstlerischer Leiter