Weh dem, der lügt, 17. Juni 2010
Gregor: „Dein Wort soll aber sein: Ja, ja; nein, nein.“
Für Gregor, Bischof im Frankenland zur Zeit der Merowinger, ist die Lüge das schlimmste Übel der menschlichen Natur. Dies trichtert er auch seinem Küchenjungen Leon ein, der sich anbietet, Gregors Neffen Atalus aus germanischer Kriegsgefangenschaft zu befreien. Leon weiß zwar nicht, wie dies ohne List und Lüge gehen soll, lässt sich aber als Koch beim Grafen Kattwald anstellen, der Atalus gefangen hält. Von da an operiert Leon mit dreister Offenheit und ist so provozierend ehrlich, dass er Narrenfreiheit genießt und sein Befreiungsplan gelingt. Kattwalds Tochter Edrita, die gegen ihren Willen verheiratet werden soll, wird Leons Verbündete. Sie schließt sich den beiden Männern an und wandern mit ihnen zurück – aus der Barbarei in die Zivilisation.
Weh dem, der lügt! wurde 1839 am Hofburgtheater uraufgeführt. Im Zentrum des Stücks steht die Frage, ob eine absolute Norm – hier das Gebot, stets die Wahrheit zu sagen – den Anforderungen der Wirklichkeit tatsächlich standhalten kann und ob die beiden Welten, die in Grillparzers Stück aufeinander treffen – die Lichtwelt des Bischofs und die Schattenwelt des Grafen Kattwald – nicht letztlich dieselben Eigenschaften bergen.
Der junge Regisseur Tobias Kratzer, Preisträger in sämtlichen Kategorien beim Grazer Ring Award 2008, führt mit Grillparzers komödiantischphilosophischem Märchenspiel zum ersten Mal Regie am Schauspielhaus Graz.
Zum Autor
Franz Grillparzer, geb. 1791 in Wien, gest. 1872 ebenda. Studium der Rechte, Eintritt in den österreichischen Staatsdienst. 1832 bis 1856 Direktor des Hofkammerarchivs. Grillparzer ist einer der bedeutendsten Vertreter der nachklassischen Dichtung. Hauptwerke: Das Goldene Vlies (1821), König Ottokars Glück und Ende (1825), Des Meeres und der Liebe Wellen (1831), Weh dem, der lügt! (1838) und Libussa (posthum 1874).
Zum Regisseur:
Tobias Kratzer, geb. 1980 in Landshut, studierte Schauspiel- und Musiktheaterregie an der Bayerischen Theaterakademie, inszenierte dort u. a. Bunbury und La Traviata. Er war Stipendiat der Masterclass Schauspiel der Salzburger Festspiele und Finalist des Europäischen Opernregiepreises. 2008 erhielten er und sein Ausstatter Rainer Sellmaier den 1. Preis und alle Sonderpreise des Grazer Ring Awards für Rigoletto. Jüngste Arbeiten: Benjamin Brittens Ein Sommernachtstraum (Nationaltheater Weimar), Cosí fan tutte (Bayerische Staatsoper), Die Zauberflöte (Theater Heidelberg), Rigoletto an der Värmlandsoperan Schweden. Auf sein Debut als Schauspielregisseur am Schauspielhaus Graz folgen die Opern Admeto (Oper Leipzig) und La Sonnambula an der Grazer Oper.
Zum Bühnen- und Kostümbildner
Rainer Franz Sellmaier, geb. in München, studierte Kunstgeschichte und Theaterwissenschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität München sowie Bühnen- und Kostümbild am Mozarteum Salzburg. Arbeit als freier Ausstatter u. a. am Salzburger Landestheater und an der Bayerischen Theaterakademie August Everding. Von 2006 bis 2009 Ausstattungsleiter am Theater Regensburg. Dort u. a. Bühnen- und Kostümbildner für Antigone (Regie: Christian von Treskow) und Endspiel (Regie: Frank Asmus). Seit 2001 Zusammenarbeit mit dem Regisseur Tobias Kratzer, u. a. Così fan tutte mit dem Opernstudio der Bayerischen Staatsoper München, Die Zauberflöte am Theater Heidelberg und Rigoletto an der Värmlandsopera Karlstad, Schweden.
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Tel: +43 316 8008 - 44
Fax: +43 316 8008 - 1520
Das Schauspielhaus Graz am Grazer Freiheitsplatz ist eines der renommiertesten Theaterhäuser Österreichs und zählt zur Oberliga im deutschen Sprachraum. Es wurde 1776 eröffnet und nach dem Brand in der Christnacht 1823 in der heutigen äußeren Form wiedererrichtet.
Kategorien: Bühnen