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Endlich! Bald wieder Griechenland ...Gedanken auf einer Fähre in Richtung Patras!

Griechenland, ein wertvolles Urlaubsziel für die europäische Bevölkerung! Urlaub in einem wunderschönen, aber krisengeschüttelten Land, das unsere Hilfe braucht.

Krise hin oder her oder gerade derentwegen: auf in den Urlaub nach Griechenland

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Faule Griechen lautet das (bei uns) weit verbreitete Vorurteil. Wer einmal im Urlaub dort war, muss dies sofort revidieren.

Endlich! Bald wieder Griechenland! Ich befinde mich gerade auf einer Fähre in Richtung Patras. Die nächsten paar Wochen werde ich den Sommer, wie schon den Großteil der letzten dreißig Jahre meines bisherigen Lebens, in diesem wunderschönen Land verbringen. Für mich als „Halb-Griechen“ gibt es nichts Großartigeres, als so oft wie nur möglich in das Herkunftsland meiner Mutter zu fahren.

Täusche ich mich, oder sind wirklich mehr Menschen an Bord als früher?

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Chalkidiki als eines der vielen Beispiele für das tiefblaue griechische Meer. Dazu gastfreundliche Menschen und Sonne, Sonne, Sonne…

Mein erster, vielleicht subjektiver Eindruck an Bord ist, dass im Vergleich zu den Jahren davor sich um einiges mehr Menschen auf dem Schiff befinden. Reiseveranstalter und Fluggesellschaften bestätigen diesen Eindruck: die Anzahl der Buchungen steigt nämlich seit Jahren, auch in diesen Wochen, kontinuierlich. Krise hin oder her. Oder vielleicht auch gerade wegen der Krise. Ein junges Grazer Pärchen erzählt mir gleich zu Beginn der Fahrt, sie hätten sich entgegen ihrer ursprünglichen Planung spontan dazu entschlossen, diesen Sommer nach Griechenland zu fahren. Aus Solidarität, wie sie sagen.

Was geschieht gerade mit diesem Land?

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'Sometimes I had the feeling that greeks are reading everywhere at anytime' schreibt der Fotograf. Wen wundert's?

Selbstverständlich wird über das, was gerade in oder eher mit diesem Land gerade geschieht, viel geredet, ständig nimmt man hier Fragmente von Gesprächen darüber war. Wirklich neu ist das aber leider nicht. Dank der medialen Berichterstattung der letzten Wochen vergessen viele, was in den letzten fünf Jahren eigentlich passiert ist. Dabei haben wir alle diese Zahlen schon so oft gelesen, Statistiken, welche die anhaltende Rezession belegen, die immer steigende Massenarbeitslosigkeit, die sprunghaft gestiegene Säuglingssterblichkeit. Pensionskürzungen, Lohnkürzungen, Kürzungen in der Lebenserwartung. Für die Krise zahlen die Falschen, sagte unlängst die OECD. 

Grundtenor sind Wut und Ohnmacht

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Anhaltende Rezession, Massenarbeitslosigkeit, sprunghaft gestiegene Säuglings-Sterblichkeit. Pensionskürzungen, Lohnkürzungen, Kürzungen in der Lebenserwartung….

Ich lausche einer Gruppe griechischer Fernfahrer, die in der Schiffs-Lounge gerade eine politische TV-Debatte verfolgen. Ihr sehr lautes Streitgespräch lässt sich wie folgt zusammenfassen: Sie sind wütend. Auf alles und auf jeden. Ihr Premier, in den sie Anfang des Jahres so viel Hoffnung gesetzt hatten und von dem sie geglaubt hatten, er würde der ungerechten Sparpolitik ein Ende bereiten, war gescheitert. Er musste kapitulieren. So in ungefähr der Grundtenor. Was passiert gerade? In wenigen Stunden sollen im griechischen Parlament erste Gesetze entsprechend dem Plan der Eurogruppe beschlossen werden. Eine Pensionsreform (weniger Pension) und eine Steuerreform (mehr Steuern), für die Regierungen in der Regel Monate, wenn nicht sogar Jahre benötigen, müssen unter dem Druck der internationalen Kreditgeber innerhalb von nur 48 Stunden verabschiedet werden. Angeblich verlorenes Vertrauen in die griechische Regierung soll so wieder zurückgewonnen und zur Basis weiterer Verhandlungen über ein drittes Bailout-Programm gemacht werden. Nur so darf das Land, dem zuvor offen mit einem Rauswurf aus der Währungsunion gedroht wurde, auch im Euro bleiben. 

Die Souveränität eines EU-Mitgliedsstaates

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Kalambaka heißt der Ort am Fuße der auf sehr steilen Klippen befindlichen Meteora-Klöster. UNESCO-Weltkulturerbe – so, wie vieles in Europa heute Erbe der griechischen Geschichte ist.

„Take it, or leave it.“ Dieser Satz soll dem griechischen Verhandlungs-Team gegenüber öfters gesagt worden sein. Die Bedingungen, zu denen unter anderem auch die Privatisierung von über 50 Milliarden an Staatsvermögen, sowie die Revision eines Gesetzes, das bedürftigen Menschen Essensmarken und günstigeren Strom gewährt, wurden zuletzt von zahlreichen KommentatorInnen als übertrieben hart bezeichnet. Bestenfalls. Nicht wenige sehen darin die Fortsetzung eines noch nie dagewesenen Eingriffes in die nationale Souveränität eines EU-Mitgliedes. Das sehe ich genauso. Dank Satelliten-Internet auf hoher See lese ich, wie sich in den sozialen Medien unter dem hashtag #ThisIsACoup Unmut verbreitet gegenüber der bewussten Demütigung eines Landes, das es gewagt hat, die Sinnhaftigkeit des Austeritäts-Dogmas in Frage zu stellen und laut über Alternativen nachgedacht hat, das aufmüpfig geworden ist, anstatt seine „Hausaufgaben“ zu machen. 

Ausschreitungen, Brandbomben, Scharmützel - Resignation

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Typische Ansicht von Santorini. Wer einmal auf den Inseln Griechenlands ‚geurlaubt‘ hat, wird die Sehnsucht nach diesem Lande nicht mehr los, auch wenn er kein Halbgrieche ist.

In der Zwischenzeit zeigt der Fernseher anstatt der TV-Debatte einen Live-Bericht über Ausschreitungen vor dem Parlament in Athen. Auf den Aufnahmen ist zu sehen, wie Vermummte Brandbomben auf Polizisten werfen. Die Menschen um mich herum sehen zwar nach wie vor alle gespannt auf den Bildschirm, die Aufregung hält sich jetzt aber in Grenzen. An diese Bilder haben sich die GriechInnen in den letzten Jahren wohl schon gewöhnt. Und auch die Scharmützel mit der Polizei auf dem Syntagma-Platz sind bald wieder vorüber, nicht so wie vor zwei, oder drei Jahren, wo in der Athener Innenstadt ganze Straßenzüge tagelang brannten. Es scheint, als hätte sich zur Wut auf alles und auf jeden eine große Portion Resignation dazugesellt. Das wundert nicht. Europa hat diese Tage Griechenland auf eindrucksvolle Art und Weise klargemacht, dass kein anderer Weg eingeschlagen werden darf. Dabei gab es zuletzt sehr wohl Grund zur Hoffnung. Dachte ich jedenfalls.

Denn neben den üblichen Solidaritätsbekundungen linker Parteien und Gruppierungen hatten sich in den letzten Tagen vermehrt Schwergewichte der Ökonomie und politischen Philosophie zu Wort gemeldet. Paul Krugman, Josepf Stiglitz, und Jürgen Habermas, sie alle hatten die offensichtliche Irrationalität der Austeritätspolitik und die humanitären Folgen der hemmungslosen Deregulierung und Privatisierung öffentlich kritisiert. Thomas Piketty, Heiner Flassbeck, Jeffry D. Sachs, Dani Rodrik und Simon Wren-Lewis hatten gar in einem offenen Brief an die Deutsche Bundesregierung zur Abkehr ihrer destruktiven Politik gegenüber Griechenland aufgerufen. Kaum zu glauben, aber selbst der IWF hatte, sehr zum Ärgernis seiner europäischen Partner, zwei Tage von dem griechischen Referendum, eine Studie veröffentlicht, die mit deutlichen Worten das Scheitern der bisherigen „Hilfs-Programme“ attestierte, ein haircut wäre dringend notwendig. Zur Stimme der sozialen Gerechtigkeit war endlich die Stimme der ökonomischen Vernunft dazu gekommen. Hätte man denken können. 

Griechenland als Bankrotterklärung europäischer Grundideen

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Die Plaka, abends Touristenmassen durch die Altstadt von Athen, auf der Suche nach den köstlichen griechischen Speisen und Getränken und etwas Entspannung – die gäbe es auch hier: am Tag! :)

Von Logik und Solidarität aber keine Spur, denke ich mir, während ich auf das offene Meer blicke. Ich ärgere mich sehr und erinnere mich an eine zufällige Diskussion, die ich vor wenigen Tagen in einem Theater mit einer Dame führen musste. Sie hatte mich griechisch reden gehört und einfach so in meine Unterhaltung mit anderen eingeworfen, ihr wäre es lieber, Griechenland würde den Euro verlassen. In der jetzigen Situation, meinte ich, wäre ein unvorbereiteter Euro-Austritt eine wirtschaftliche und humanitäre Katastrophe, nebenbei auch eine Bankrotterklärung europäischer Grundideen. „Ich sehe aber nicht ein, warum wir den Griechen so viel zahlen müssen!“, sagte sie und grinste sogar dabei. Ahnend vorauf diese Diskussion hinaus laufen würde, meinte ich, sie hätte bisher bestimmt keinen Cent an Griechenland gezahlt, schon gar nicht DEN Griechen.

Es sollte doch mittlerweile allgemein bekannt sein, dass 90% aller Gelder in die Rettung von Banken, Versicherungen und anderen privaten Investoren gegangen sind. Gelder, die von Krediten geschöpft würden und an dessen Zinsen, die jeweiligen Länder sogar ganz gut verdient hätten. „Ja dann müssen die halt mit den Schulden selber fertig werden!“ Ja, das mit den Schulden sei ein Problem, ein Allgemeines. Was es bräuchte, so meine Überzeugung, wäre eine gemeinsame, europäische Wirtschaftspolitik, eine Politik, die ungleiche Wirtschaften besser aufeinander abstimmt. Auch Österreich hätte Schulden, nämlich in etwa gleich viel wie Griechenland, dafür halt eine produktivere Wirtschaftsleistung und... „Fleißiger!!!“ wirft daraufhin ein weiterer Theatergast ein. Nur dieses eine Wort. „Scheiß drauf“, denke ich mir und setze mich auf meinen Platz hin. Rückblickend auf die letzten Tage wird so einiges klar. Wenn es um Europa geht, herrscht auf der Ebene der Kronen- und Bildzeitungsleser blanker Rassismus, in den Parlamenten nur nationale Egoismen und auf der Ebene der Entscheidungsträger, so scheint es, gelten nur die Interessen der privaten Gläubiger. 

Aber genug davon. Ich versuche meinen Kopf frei zu kriegen.

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Kerkyras / Corfu – auch dieser Name klingt wie Rhodos, Chalkidike, Zakynthos, Santorin, Mykonos, Karpathos.... ganz einfach wie Urlaub, nach Gelassenheit, Sonne und Meer.

Ich freue mich auf Griechenland, denn ich weiß, dass alles was an diesem Land schön war, heute noch genauso so ist. Dieses Land, das weiß ich, lässt sich nicht so leicht unterkriegen. Der Hafen ist schon in Sicht, bald betrete ich griechischen Boden. Doch wenige Meter vor dem Anlegen, macht das Schiff halt. Aus der Ferne hört man einen Alarm. Uniformierte laufen auf das Hafengelände. Ein Polizeihund durchsucht einen Container, der gerade auf ein Schiff Richtung Venedig geladen wird. Plötzlich springt ein junger Mann unter einer Plane hervor und beginnt zu laufen. Ein Polizist auf einem Motorrad kann ihn zwar einholen aber nicht stoppen. Im letzten Moment kann der gehetzte Mann über einen Zaun mit Stacheldraht klettern. Ich verliere ihn aus den Augen, aber glaube, er hat die Polizisten abgehängt.

Was gibt es eigentlich Neues in den Verhandlungen über eine gemeinsame europäische Flüchtlingspolitik?

Verfasser der Redaktion bekannt

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Alexis Tsipras: Retter oder Terminator?

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Alexis Tsipras, Politik für sein Land gegen seine eigene Überzeugung: gerade mit seiner Sprunghaftigkeit schafft er Unmögliches. Auch ‚Geberländer‘ verstehen, dass ihn die Griechen mögen.

Es ist abgesprochen mit dem Autor / der Autorin dieses Beitrages: ich darf meine Meinung dazu abgeben. :) Ich denke, dass ich Griechenland besser kenne als viele Steirer und Grazer, denn wir wohnten als ganz junge Familien in einer WG zusammen: 2 x 2 Menschen mit je einem Kind und die Frau meines Freundes war (ist) Griechin. Dadurch hatte ich die Gelegenheit, Griechenland schon in Österreich gut kennenzulernen und natürlich dann vor Ort bei den Verwandten unserer Mitbewohnerin. Leider mussten wir bei der Mutter von Jolanda (lebt jetzt in Toronto) nicht nur der Hitze wegen flüchten, denn sonst hätte ich bei der fantastischen Kochkunst damals schon mein jetziges (viel zu hohes) Gewicht erreicht. Köstlichkeiten, fernab der Speisen und Getränke, die uns in Graz als griechisch verkauft wurde, obwohl in jenen Zeiten weit mehr Griechen in Graz studierten als heute (ein Jammer!).

 

Vorausschickend: ich mag die Griechen und Griechenland! Dennoch muss man nicht jedes Argument eines Griechen akzeptieren und muss manche Dinge (aus meiner Sicht) ins Lot stellen. Ich weiß, dass der Spruch „ins rechte Lot“ heißt – erschien mir an der Stelle maximal unpassend.

 

Wir sind nicht schuld an der Misere in Griechenland, die ist zu sehr großen Teilen selbst verschuldet. Auch wenn manche es ablehnen, dass die Griechen über ihre Verhältnisse gelebt haben: es stimmt einfach. Schon alleine der riesige Beamtenapparat, den die Griechen durchgefüttert haben – und großteils noch durchfüttern - ist purer Luxus. Die Renten und Löhne waren, so sehr man dagegen sein kann, sie zu senken, einfach nicht der Wirtschaftskraft des Landes angepasst – manche fürchten, dass dies auch heute noch so ist. Wenn dann diejenigen, die Geld in unvorstellbaren Mengen anhäufen, keine Steuer zahlen müssen oder diese einfach nicht bezahlen (und die mit weniger Geld es auch nachmachen, weil‘s eben funktioniert!), wenn dies wohl auch dadurch zum Volkssport wird – dasselbe Volk aber dennoch weiter gut leben will, dann kann und wird dies nicht gut gehen.

 

Mir hat an der Politik von Tsipras einiges nicht wirklich gefallen (nicht nur der Charme-Bolzen, den er als Finanzminister auf unschuldige Menschen losließ), was mir aber völlig unverständlich ist, dass Tsipras nicht sofort begonnen hat, dies zu ändern. Für eine linke Partei muss das ja noch viel schlimmer sein als für einen Anhänger der ökosozialen Marktwirtschaft, wie mich.

 

Damit hätte er viele in Brüssel besser gestimmt und auch im eigenen Land mehr Hoffnung erweckt. Und wenn argumentiert wird, dass es in der Verfassung steht, dass Reeder keine Steuern zahlen müssen – wie oft wird bei uns die Verfassung geändert? Wieso soll in der Wiege der Demokratie ein Gesetz sakrosankt sein, das der großen Mehrheit nicht gefällt?

 

Was richtig ist: für die Krise zahlen die Falschen - auch wenn dies teilweise nicht diejenigen sind, die jetzt jammern. Manche haben, wie die Beamten, auf Kosten der Zukunft gelebt und müssen eben jetzt zurückzahlen.

Die Politik war teilweise falsch – auf allen Seiten. Also muss sie geändert werden!

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Yanis Varoufakis ehamliger Finanzminister Griechenlands – mit Chancen auf den Titel ‚Charmepaket Griechenlands‘ oder ‚präpotentester Politiker Europas‘

Die Politik der letzten Jahre war auch in meinen Augen falsch, nicht nur in Griechenland. Neben dem Versuch der Konsolidierung hätte man Chancen für Wachstum suchen müssen und diese auch finanzieren. Der oft zitierte Marshall Plan wäre in meinen Augen ein geeignetes Mittel gewesen und wäre es heute noch. Wir sollten es am besten wissen.

 

„Take it, or leave it.“ Das hätte auch uns verrückt gemacht. Es ist der falsche Ton unter „Freunden“ – in der Sache aber nicht ganz falsch. Letztendlich haben Tsipras & Co. die Europäer monatelang „papierlt“ und verleumdet. Es musste einfach einmal Schluss damit gemacht werden, im beiderseitigen Interesse. Es ging teilweise eben nicht um die „Sinnhaftigkeit des Austeritäts-Dogmas“ – auch ohne dies könnte Griechenland nicht ewig über seine Verhältnisse leben. Aufmüpfigkeit mag ich, aber brutal gesagt: „Kein Hund beißt die Hand, die ihn füttert“. Mit weniger Provokation wären die griechischen Politiker in Brüssel wahrscheinlich anders behandelt worden. Ich persönlich hätte mir sogar sehr schwer damit getan, mit dem Herrn Varoufakis zu verhandeln, selbst wenn er Versprochenes geliefert und nicht nur nein gesagt hätte. Ich tu mir genauso schwer, wie viele Politiker, mit jemand zu reden (und ihm vielleicht zu helfen), der mir ununterbrochen sagt, wie klug er ist und was ich doch für ein blödes Würstchen bin. Die an die abgehobene, „hehre“ Politik glauben: Politiker sind auch höchstens Menschen und keinesfalls unverwundbar und todsicher nicht uneitel!

 

„Zur Stimme der sozialen Gerechtigkeit war endlich die Stimme der ökonomischen Vernunft dazu gekommen“. Stimmt, aber keiner der weisen Wirtschaftstheoretiker hat jemals gesagt, dass es ohne Restrukturierung und Sparen gehen wird. Da Wahrheit ist (für mich) auch hier nicht A oder B, sondern a/2 und b/2.

 

Als Gegenargument die genau so dummen Argumente halb- oder nichtgebildeter und falsch informierter Nachplauderer (im Beitrag „Ebene der Kronen- und Bildzeitungsleser“ genannt) zu nutzen, bringt halt nichts. Ich denke, wenn man bei der „Gegenseite“ diese Denkart verurteilt, darf man sie auch nicht als Basis für eine Argumentation missbrauchen.

 

„Es gelten nur die Interessen der privaten Gläubiger“ – unterschreibe ich auch nicht – zumindest, so, wie ich private Gläubiger verstehe. Hedgefonds, die auch mit öffentlichem Geld spekulieren und Konzerne, deren Manager jeden Bezug zur Realität verloren haben, sind für mich nicht „die Privaten“.

 

 

Als Letztes noch zu dem bald totgequatschten Argument, dass eh nur die Banken gerettet wurden: verständlich, denn leider sind diese noch immer „too big to fail“ und das hat weit Schlimmeres verhindert. Abgesehen davon glauben die Leute, dass nicht Griechenland Schulden hatte und noch hat: was den Banken abgekauft wurde, waren die Schulden der Griechen und die gibt es nach wie vor. Niemand wird die je zurückzahlen können (auch in Österreich die österreichischen Schulden nicht): das Spiel läuft seit vielen Jahren anders. In Zeiten, in denen das Volk über die Niedrigzinsen ausgeraubt wird, tun die Schulden nicht (so) weh – weh tut die fehlende Kraft der griechischen Wirtschaft und die fehlende Stabilität (und Vertrauenswürdigkeit), die auch Wohlmeinende derzeit abhält, in Griechenland zu investieren.

 

Wie einleitend gesagt: ich mag Griechenland und die Griechen (zumindest die meisten). Deswegen überlege ich gerade, heuer doch wieder einmal Urlaub zu machen und mein Geld nach Athen zu tragen - Eulen besitze ich nämlich keine. Es hätte durchaus Sinn inzwischen, Eulen nach Athen zu tragen, denn die Weisheit hat dort leider auch etwas nachgelassen.

Heinz Rüdisser

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