Mein Benutzer

INFOGRAZ.at verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu gewährleisten. Wenn Sie auf dieser Seite weitersurfen, stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Details dazu finden Sie in unserer Datenschutz Erklärung.

Lampedusa - sterben vor dem 'Tor zu Europa'

Wenn ich vor 20 Jahren meinte, dass ich auf der wunderschönen Insel Lampedusa urlauben möchte, wurde ich verwundert gefragt, wo das wohl sei!

Lampedusa - damals wie heute das 'Tor zu Europa' für viele Afrikaner.

italien,lampedusa,urlaub,europa,afrika,euro,selbstmord,familie,italien,strand,suizid,engagiert,migration,hilfe,freiheit,hunger,medien,menschen,verkaufen"Lampedusa: von Tag zu Tag - aus dem Herzen des Mittelmeers leben" - das ist nach wie vor der offizielle Titel dieses Bildes 

Damals war es aber noch kein Thema, damals hat sich niemand für deren Leid interessiert, damals war vielen egal, wie viele bei der Überfahrt sterben, damals war es ein Problem, das Italien hatte, aber wen ging das etwas an?

italien,lampedusa,hoffnung,insel,urlaub in italien,sterben,regionen italien,urlaubsziele,verantwortung,flüchtlinge,integriert,schlepper,ich will sterben

Weit entfernt vom europäischen Festland,
aber dennoch Europa: Lampedusa ist eine
der wenigen Chancen (mit hohem Risiko –
zu Hause verhungern oder hier ertrinken?)

Heute kennt man die Insel aus den Medien. Politiker aus ganz Europa debattieren derzeit über die Gestrandeten und fragen sich, wie sie mit dieser Problematik umgehen sollen.

Nicht viele, aber einige wenige engagierte Menschen nehmen sich dieser (darüber hinaus auch noch den Menschen) an.

Es wird viel darüber geschrieben, die Wogen gehen hoch, wenn man die zugedeckten Leichen nebeneinander am Strand liegen sieht, die armen Kinder, die den Booten halb verhungert und verdurstet entsteigen.

Viele Männer kommen rüber, nicht nur in der Hoffnung auf ein besseres Leben, sondern auch, um ihre Familien in der Heimat mit Geld zu versorgen, damit diese dort überleben können.

Das romantische Italien …

Lampedusa Hafen,italien,schwarzer,leichen,nachdenken,inseln,politiker,strandurlaub,afrika staaten,afrikaner,gefahr,glauben,urlaub in italien am meer,hungersnot

Der Hafen von Lampedusa

Das mag es auch sein, aber das interessiert mich nicht mehr so sehr. Ich kenne jede Region in diesem Land, liebe die Kultur, die Menschen, die Mentalität, die grandiosen Landschaften, die einzigartige Kulinarik, das Oberflächliche und doch Herzliche….

Es ist und bleibt mein Land, meine persönliche Leidenschaft, mein „daheim“, wann immer ich über die Grenze fahre.

Als wir kürzlich wieder „unten“ waren, diesmal hat es uns ins Veneto verschlagen, hatten wir an einem Vormittag Zeit und gingen in ein Einkaufszentrum. 

Strandverkäufer,italien,lampedusa,flucht,italien meer,sonne und meer,unterernährung,eu lander,italienurlaub,italien urlaubsorte,italien adria,ferien italien,hungergefühl,gestrandet

Wer hat sich noch nie geärgert, wenn
Strandverkäufer lästig sind? Wir
„leiden“ darunter 5 Minuten – sie
und ihre Familien leiden ein Leben lang!

Ich hasse diese künstlich erschaffenen „Shoppingmeilen“, wo ein Geschäft dem anderen gleicht und das mittlerweile in fast jedem Land in Europa. Wo bleibt die Individualität?

Egal, wir gingen, da es regnete und ich im Carrefour auf der Suche nach Küchenutensilien war.

Als wir das Zentrum verließen und zurück zum Parkplatz gingen, stand dort ein Schwarzer, der Taschentücher verkaufen wollte.

Einer, der wahrscheinlich die anstrengende "Reise" geschafft hatte und „Glück“ hatte.

Kaum gesehen, wurde er schon von, wahrscheinlich einem Manager, vom Parkplatz verwiesen.

Der Ton war alles andere als freundlich.

Ich war sehr bedrückt, ob des Bildes, das sich vor mir bot.

Was leben wir doch in einer verkehrten Welt!

Dort in diesem Einkaufscenter wird unnötiges Zeug gekauft – ich wette, dass 50% der Dinge, die an diesem Tag eingekauft werden, nicht gebraucht werden oder man kauft nur, um zu zeigen, „was man hat“, also für die „bella figura“. Egal ob man das Geld tatsächlich am Konto hat oder nicht. 

Boat People,izilien,Immigranten,italien,lampedusa,lampedusa urlaub,strandurlaub italien,italien reise,urlaub am strand,lampedusa flüchtlinge „Immigrati Lampedusa“ – nennt sich dieses Bild.
Immigranten noch nicht - zuerst einmal Angeklagte

Was mich richtig schockiert hat, war der Blick ins Tiergeschäft. Mit Glitzersteinen besetzte Halsbänder um € 30,-, Hundenahrung, das kleine 125 g Doserl um 2,99,- usw… und dort draußen steht ein Mann bei jedem Wind und Wetter mit einen dünnen Jacke bekleidet, in der Hoffnung, dass er in paar Euro macht, um davon wahrscheinlich wieder die Hälfte an eine Überorganisation zu bezahlen, ein Viertel davon behält er zum Überleben und den Rest schickt er seiner Familie, wo auch immer die zu Hause sind.

Wir sind im Carrefour auch im Lebensmittelbereich gewesen. Im ersten Moment dachte ich, ich befände mich im Paradies. Die Gemüseabteilung, die Fischabteilung und dann erst die Brot und Fleischabteilung. Lebensmittel, scheinbar ohne Ende. Man könnte mit dem Laden wahrscheinlich 2 oder 3 afrikanische Dörfer ein Jahr lang so ernähren, dass kein Kind, keine Schwangere und und und ... Hunger leiden müssten.

Gekauft haben wir nur ein paar Lebensmittel, die ich hier in Graz zu dem dort angebotenen Preis nicht bekomme, aber für mein Leben gerne esse. Kürbisblüten zum Beispiel! 

Flüchtlingsboot,Indischer Ozean,inselurlaub,afrika armut,flüchtlinge aus afrika,flüchtlinge weltweit,afrikanische dörfer,auffanglager,bedrückend,bessere weltSomalisches Flüchtlingsboot im Indischen Ozean

Ich bin bedrückt von so viel Macht der Wirtschaft und scheinbarer Machtlosigkeit vieler einzelner Menschen, die gerne helfen würden.

Ich frage mich immer wieder, woher jene, die auf der Flucht sind, so viel Kraft nehmen, woher sie den Glauben nehmen, dass sie in eine bessere Welt kommen können, dass sie es schaffen können, egal wie alt sie sind, dennoch nochmals neu zu starten, hart zu arbeiten?

Bewundernswert ist das, aber auch bedrückend, wenn man daran denkt, wie verschwenderisch bei uns in Europa mit Lebensmitteln umgegangen wird. Auch mit allem anderen, wie Kleidung, Dekozeugs, usw… aber für mich als Food Bloggerin und Köchin zählen nun mal in erster Linie die Lebensmitteln zu jenen Dingen, die ich speziell hinterfrage, die meinen Alltag zu einem Großteil beeinflussen.

Ich frage mich, wie man in Europa das Thema lösen kann?

Lampedusa Nordküste,mitmenschen,italienreisen,urlaub meer,italienreise,reise nach italien,überfahrt,insel urlaub,ferien in italien,italien ferien

Nordküste Lampedusas

Wie man ihnen ein würdiges Leben ermöglichen kann, wie man helfen kann, dass ihre Kinder einmal eine Chance haben, hier integriert zu werden, hier Bildung genießen zu dürfen?

Wie können wir zum anderen die Menschen in deren Heimat aufklären, dass der Weg in die „Freiheit“ wohl nicht so leicht und gefahrenlos ist, wie ihn die Schlepper beschreiben? Es wird mehr Geschäft damit gemacht, als dass man die armen Menschen dahinter sieht, die alles, das sie haben, hinter sich lassen. Sie bezahlen diesen Traum oft mit ihrem Leben oder einem tristen Dasein in einem Auffanglager. Was in diesen alles passiert, können wir wahrscheinlich in unseren schlimmsten Alpträumen nicht erahnen.

Wenn auch Lampedusa oder andere Europäische Küsten, wohin sich Flüchtlinge versuchen zu retten, für uns hier in Graz, in Österreich, weit weg zu sein scheinen, so...

..liegt es trotzdem auch in unserer Verantwortung, dass wir helfen, dass wir die Augen nicht verschließen.

Sehen,  dass ALLE MENSCHEN ein Recht auf Essen, einem warmen "zu Hause" und ausreichend Kleidung, damit sie nicht frieren, haben.

Es ist nicht nur ein Problem, das ein anderes Land betrifft, es ist ein Problem das uns alle betrifft. Denn sind es einmal vielleicht nicht die Flüchtlinge, die Hilfe brauchen, sind es ein anderes mal vielleicht unsere Kinder, unsere Eltern, unsere Verwandten oder Freunde, die aus eigener Kraft nicht mehr aus ihrem Dilemma in ihre Normalität finden?

Boatpeople aus Afrika,italien,lampedusa,besseres leben,boatpeople,der afrikaner,eine bessere welt,ferien am strand,flüchtlingsboot,lambedusa,lampadusa,lampedus,lampeduza,lapedusaKein rein italienisches Problem: ein Bild aus Malta, Hal Far:
Baustellenschuppen, offen für Flüchtlinge (Boatpeople meist aus Afrika)

Es waren schöne Tage in Italien, aber auch Tage, die mich sehr zum Nachdenken gebracht haben, die mir wieder ganz klar vor Augen geführt haben, wie gut es uns eigentlich geht und wie leicht es doch wäre, uns ein bisschen um unser Mitmenschen zu sorgen, wenn sie Hilfe brauchen!

Egal woher sie kommen, egal wohin sie gehen. Geben ohne etwas zu erwarten!

Text: Sabine Zettl

Tipps

News und Wissenswertes