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Bauen wir doch ein Goebbels-Denkmal im Stadtpark!

Nehmen wir einmal an, Herr Strache würde sagen: „Ich träume noch immer vom National-Sozialismus, den es aber noch nie gab…“

Wiederbetätigung?!?!

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Jean Ziegler im, während der Studierendenproteste im Herbst 2009 besetzten, Audimax der Universität Wien.

Nehmen wir einmal an, FPÖ-Chef H.-C. Strache würde in einem Zeitungsinterview gefragt werden, ob er eigentlich Nationalsozialist sei. Und nehmen wir einmal an, Herr Strache würde darauf antworten: „Ich träume noch immer vom Nationalsozialismus, den es aber noch nie gab…“ Das hyperventilierende Aufheulen der zu spät geborenen antifaschistischen Widerstandskämpfer aus Politik und nachgelagerter Publizistik können wir uns lebhaft vorstellen, und Strache hätte angesichts der Rechtslage vermutlich ein Verfahren wegen Wiederbetätigung am Hals, samt denkbarer Haftstrafe. Völlig anders hingegen verhält es sich, wenn der prominente schweizerische Autor und Agitator Jean Ziegler in einem Interview („Standard“, 27.Mai 2011) gefragt wird, ob er eigentlich Kommunist sei, und darauf antwortet: „Ich träume noch immer von einem Kommunismus, den es aber noch nie gab.

Aufrechnen erlaubt? Wer hat mehr Unrecht in seiner Geschichte?

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Beschmierte Wände in Sundsvall (Schweden), 2007

Damit räumt Ziegler ganz offen seine Sympathie für eine politische Ideologie ein, die grosso modo nicht viel weniger Schrecken über die Menschen des 20.Jahrhunderts gebracht hat als der Nationalsozialismus. Doch Ziegler muss dafür weder Haft noch Prozess befürchten. Nicht einmal jene soziale Ächtung droht ihm, die richtigerweise alte wie junge Nazis in halbwegs vernünftigen Milieus erfahren.

Keine Spur von öffentlicher Erregung, keine besorgten „Nie wieder!“ - Kommentare – einfach nichts. Wer Hitler verharmlost, muss mit Gefängnis rechnen, wer Stalin, Mao Tse-tung oder Pol Pot verharmlost, wird Mitglied des „Beratenden Ausschusses des Menschenrechtsbeirates der UNO“ und kommt als Eröffnungsredner der Salzburger Festspiele infrage.

Kein einmaliges Kuriosum

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„Guerrillero Heroico“ - Che Guevara beim Begräbnis der Opfer  des Terroranschlags auf das französischen Schiff  „La Coubre“   

Dass die Öffentlichkeit dem Massenmord-Verharmloser Ziegler ohne weiteres durchgehen lässt, was sie bei jedem FPÖ-Gartenzwerg aus der dritten Reihe (mit Recht) nicht einmal annähernd duldet, ist freilich kein einmaliges Kuriosum. Führerpropaganda aus Nordkorea kann im MAK-Museum völlig unkommentiert so gezeigt werden, wie die dortige kommunistische Diktatur das wünscht. Hingegen wäre eine Ausstellung von Führerporträts samt begleitenden Texten aus der Feder des Doktor Goebbels vermutlich ein Fall für die Staatsanwaltschaft.

Das Denkmal für den Massenmörder Che Guevara (der politische Gegner übrigens gerne auch eigenhändig abschlachtete) enthüllt der Wiener SPÖ-Chef höchstpersönlich. Wer anregen würde, auch Herrn Goebbels eine kleine Büste zu widmen, würde vermutlich in der U-Haft enden.

Man sollte den Nazis das nicht gönnen

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Neonazi-Aufmarsch in München am 2. April 2005

Nazis finden das ungerecht. Das Problem ist, dass Nazis – und nicht nur sie – Recht haben, wenn sie das ungerecht finden. Man sollte ihnen das nicht gönnen.

Europa, Österreich besonders, wird in den kommenden Jahren angesichts des kolossalen Versagens der traditionellen Parteien der politischen Mitte bei der Bewältigung der Finanzkrise mit einem regelrechten Boom rechtsextremer Parteien konfrontiert sein. Leider werden die Radikalen dabei, etwa in der Frage der Abwicklung der Griechenland-Hilfe, ein paar gute Argumente auf ihrer Seite haben.

Wer aber in der emotional noch immer wichtigen Auseinandersetzung mit den Verbrechen von Kommunismus und Nationalsozialismus verlogene Doppelmoral predigt, gibt ihnen ohne Not noch ein paar zusätzliche Argumente in die Hand.

Ausgerechnet jetzt ist das ein ziemlich unintelligentes politisches Verhalten.

© Christian Ortner “Die Presse”, Print-Ausgabe, 03.06.2011

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