Ein interessanter „Plan B“ für unser Bildungssystem?Zurück
Wo sehen unsere Politiker mittel- oder langfristig Chancen für unser Land? Studenten werden abgewehrt, auch die eigenen? Auch hier wäre Angriff besser als Verteidigung!!
Wir schaffen es nicht, dass ausreichend qualifizierte Akademiker herauskommen
Anstatt für unsere Bildungsinstitutionen zu werben, werden potentielle Akademiker und Akademikerinnen abgewimmelt!
Sie kennen diese Klage sicher: Österreich hat eines der teuersten Bildungssysteme Europas, zugleich eines der schlechtesten. Schlecht deshalb, weil bei dem enormen Aufwand viel zu wenig herausschaut. Hören Sie sich auf einer Universität um. Da werden Ihnen Leute, die sich auskennen, ganz offen sagen: Wir schaffen es nicht, dass ausreichend qualifizierte Akademiker herauskommen.
Wenn Sie dann nach den Gründen fragen, bekommen Sie schaurige Dinge zu hören. Die will ich hier gar nicht erst aufzählen. Das ist alles eigentlich sehr schade. Ich muss doch nicht davon ausgehen, die Deppen haben sich so vermehrt, dass sie nun überall am Ruder säßen? Nein, das nehme ich sicher nicht an. Aber wir wissen alle und Sie wissen es auch, wie man es anstellen kann, aus einem engagierten und inspirierten Menschen einen frustrierten Deppen zu machen.
Es ist jetzt keineswegs so, dass ich mich hier auf schlechte Nachrichten spezialisieren möchte. Es geht mir zum Einstig nur um eine kleine Skizze unseres Bildungswesens, gestützt auf die hartnäckigsten Gerüchte und kritischen Bewertungen, damit ich im Kontrast sichtbar machen kann, was ein interessanter „Plan B“ wäre.
Ein Beispiel, das zum Nachdenken anregt
Ich nenne Ihnen ein Beispiel, das zum Nachdenken anregt. Wie viele Unternehmer hat man schon klagen gehört, dass die Bedingungen der Lehrlingsausbildung heute so ungünstig seien, da ließen sie es lieber bleiben? Die gleichen Unternehmer fragen dann natürlich auch, wo sie jetzt qualifizierte Fachkräfte herkriegen sollen.
Denken Sie beispielsweise an den Bezirk Weiz, dort herrscht nach Zahlen momentan Vollbeschäftigung, aber vom Regionalpolitiker bis zum Wirtschaftslandesrat hört man einhellig: Würden wir all die Fachkräfte bekommen, die wir bräuchten, könnte es noch besser laufen.
Nun sind ja einige Unternehmen durchaus bereit, Lehrlinge aufzunehmen. Da beklagen dann aber manche Leute, dass sie es mit Jugendlichen zu tun haben, die keinen geraden Satz schreiben können und denen die Grundrechnungsarten ein Rätsel sind, wie anderen die Quantenphysik. Es hapert also ganz offenbar nicht nur im Schulwesen, auch in den Elternhäusern klemmen ganz normale Abläufe anscheinend da und dort.
KWB-Geschäftsführer Erwin Stubenschrott pflegt angesichts solcher Zustände manchmal augenzwinkernd Karl Valentin zu zitieren, indem er darauf hinweist, dass die beste Erziehung wenig Wert hat, weil Kinder den Erwachsenen ohnehin alles nachmachen: Karl Valentin hat weit vor uns erkannt: Vorbildwirkung ist vermutlich unersetzbar, wo es um Wissbegier und Lernwille geht.
Die Ausbildung von Fachkräften und Akademikern zu einem eigenen Geschäftszweig entwickeln?!
Bildung ist eine risikolose Investition, die uns vor der internationalen Konkurrenz schützt und mit der sich sogar verdienen lässt
Aber ich wollte eigentlich etwas anderes erzählen. Von einem großen Fleischereibetrieb wird erzählt, der Boss habe dieses österreichische Elend der Lehrlingsausbildung zum Anlass genommen, die Ausbildung als Teil seines Geschäftes in Erwägung zu ziehen. Wenn also andere Betriebe keine Lehrlinge mehr ausbilden, warum nicht die Ausbildung von Fachkräften zu einem eigenen Geschäftszweig entwickeln? Das würde in verschiedenen Branchen funktionieren. Ausbildung als Business und Bildung als Produkt.
Von Kuba wird erzählt, es habe nichts zu exportieren außer gut ausgebildete Menschen. Interessant, hm? Hoher Wissens- und Ausbildungsstandard ist ja heute in Europa wichtiger denn je, weil viel von der traditionellen Arbeit in Billiglohnländer verschwunden ist. Zugleich höre ich etwa über China, dort würden hoch qualifizierte Akademiker in Rudeln aus dem Bildungssystem entlassen, während sie bei uns offenbar nur aus der Leitung tröpfeln.
Bildungssysteme in Österreich – ein Markt voller Chancen ohne Risiko
Eine richtige und einfache Strategie
Ich nehme an, jetzt dämmert Ihnen, worauf ich hinaus möchte. Österreich ist ein Land, das hohe Lebensqualität bietet, dessen Lebensstandard ebenso bemerkenswert ist wie verschiedene Lebensräume. Ich meine damit, es ist ja auch ein sehr schönes Land. Österreich hat reichlich Tradition und Erfahrung, was Bildung angeht, auch wenn man es im Augenblick dem Land nicht so sehr ansieht.
Und Österreich hat nicht nur Schreckensmeldungen zu Bildungsfragen anzubieten, da ist auch eine Basis sehr kompetenter Menschen verfügbar, selbst wenn die Jungen oft, mangels adäquater Angebote, samt ihrer Kompetenzen das Land verlassen.

Fontainebleau – ein Abschluss hier und die Karriere ist alleine schon durch das Netz der Absolventen garantiert!
Aber warum sollte Bildung nicht zu einem Exportschlager werden können? Warum sollten wir nicht fähig sein, mehr gebildete Leute hervorzubringen, als das Land selbst braucht? Es gibt in Europa wenig Konkurrenz an hochkarätigen Einrichtungen. Ein paar Internate in der Schweiz und in England, Orte wie Cambridge und Oxford, postgraduate Ausbildung auf allerhöchstem Niveau in Fontainebleau - eine Tochter der „rice school of business“ (deren Absolventen alleine durch ihre Kontakte die Karriere gesichert haben). Wir wissen längst, dass es heutzutage nicht mehr reicht, seine Diplome zu haben. Es kommt auch darauf an, wo man sie erworben hat, denn die Bildungseinrichtungen werden in internationalen Rankings bewertet.
Bildung gibt es nicht zum Nulltarif!
Bevor der pavlowsche Reflex unserer selbsternannten „Verteidiger der Unterprivilegierten“ die ewig gleiche Leier spielt: eine intelligentere Studentenförderung sollte doch machbar sein. Schauen wir nach Skandinavien, wo neben ausgezeichneten Stipendiensystemen auch jede(r) ein Darlehen haben kann, welches er/sie zurückzahlt, wenn er/sie das Geld dafür dann endlich verdient. Was nichts kostet, ist nichts wert – das gilt auch und besonders für Bildung. Es gibt aber nicht nur bei uns genügend Eltern, die viel ausgeben würden und könnten für eine entsprechend Ausbildung ihres Nachwuchses. Mit der entsprechenden Qualität würde der Ansturm aus dem Ausland noch größer – dieser käme dann natürlich auch unseren Landsleuten zugute.
„Humankapital“ nicht auszunützen kann sich unser Land nicht mehr lange leisten
Geeignete Maßnahmen, um unter all den Menschen, die in Österreich schon einmal vorbeigekommen sind, die großen Talente herauszufiltern? Ein großes Talent könnte nämlich ab und zu auch ohne Schuhe und mit schmutzigen Füßen vor einem stehen. Man müsste es halt erkennen. Auch das Thema „Frauen und Technik“ erinnert daran, dass wir noch lange nicht gerüstet sind, alle verfügbaren Talente zu erkennen und ihnen adäquate Förderung anzubieten. Da wird einfach viel Potential verschenkt.
„Bildungsproduktion“ könnte ein großes Geschäft sein, wenn wir sehen, dass etwa staatliche Einrichtungen ihren Bildungsauftrag längst nicht mehr schaffen.
Gut, zugegeben, das lässt die Frage offen, warum wir den Staat aus eben diesem Auftrag entlassen sollten. Aber das ist ein anderes Thema und das will ich eigentlich auch gar nicht! Österreich hat (noch) genügend Geld, um wirklich ein vorbildliches Ausbildungssystem zu schaffen – nicht nur als Basis für zukünftige Einnahmen. Es spricht aber auch natürlich nichts dagegen, wenn Private bei dem Boom mitmachen – kleine Schritte gibt es ja schon. Franz Strohsack, dem dieses Land nicht einmal eine Existenz ermöglicht hat, bedankt sich dann mit seinem hart im Ausland verdienten Geld bei seiner Heimat unter dem neuen Namen Frank Stronach mit einem Hochschulinstitut!
Tun WIR es, bevor ein anderes Land die Chance erkennt!
Könnte Österreich europaweit eine Art Drehscheibe des Bildungswesens und Kompetenzerwerbs sein, würde nicht nur sein Ruf profitieren. Eine Stärkung unserer Bildungslandschaft unter Mithilfe anderer Länder über ihre Studenten wäre zugleich auch eine Investition in unsere eigene Jugend. Wir sollten unsere Kinder schon aus ganz egoistischen Gründen auf solchen Wegen besser fit machen. Die zunehmende Überalterung dieser Gesellschaft bürdet diesen Kindern in der Zeit ihrer Erwerbstätigkeit nämlich immer mehr Menschen auf, die ihren Ruhestand genießen. Da sollten unsere Sprösslinge dann besser stabiler als schwächer aufgestellt sein, besser gut als schlechter verdienen.
Ein starkes internationales Netz von Alumnis könnte sich für Österreich auch sehr positiv auswirken. Früher haben viele Perser und Griechen in Graz studiert und als Ausländerreferent der ÖH kannte ich die meisten. Wann immer ich in Griechenland jemand traf, der in Graz studiert hat, war der voll des Lobes über Graz, die Steiermark und Österreich und hat das auch kundgetan. Abgesehen davon: bei denjenigen, die Berufe haben, in denen dies möglich ist, wurden daraus viele für beide Seiten gute Geschäftsbeziehungen.
Den Run aus Deutschland als Vorteil sehen!
In Graz und Wien haben sich fast 7.000 Studenten um 1.100 Plätze beworben, mehr als 50% davon kommen aus Deutschland.
Und natürlich geben Studenten aus anderen Ländern bei uns Geld aus. So gesehen sollten wir etwa den Run aus Deutschland eigentlich als Vorteil sehen,der nicht bedeuten würde, dass „Ausländer“ unseren Kindern die Bildungswege überbevölkern, falls wir in der Lage wären, unser Bildungssystem zu entsprechender Leistungsfähigkeit auszubauen.
Dass dafür angeblich die Mittel fehlen, ist purer Unfug. Es wäre eher zu klären, wo diese Mittel unproduktiv versickern – bei (jährlich) einigen Milliarden davon ist dies seit langem bestens bekannt! Und sie kennen ja die Geschichte vom fleißigen Holzfäller, dem ein Kollege empfiehlt, er solle nun einmal Pause machen, um wenigstens Axt und Säge zu schärfen. „Keine Zeit!“ erwidert der Fleißige, „Ich hab noch so viele Bäume zu fällen.“
Damit hier kein Irrtum aufkommt: Bildung passiert nicht nur auf Hochschulen und Universitäten, auch Handel, Gewerbe und Industrie tun einiges dafür. Unser „duales“ Ausbildungssystem ist an sich sehr gut – damit könnte man genauso Geld verdienen. Leider verabsäumen es auch hier die verkrusteten Strukturen und überalterten Unterrichtsmethoden und Unterrichter, dieser Ausbildung Jugendliche mit dem nötigen Basiswissen zur Verfügung zu stellen. Warum quälen wir unsere Kinder mit der Kunst des nutzlosen Wissens anstatt alle Kraft dahinein zu setzen, dass sie überlebensfähig und ausbildungsbereit werden: dazu gehört in erster Linie einmal lesen und etwas rechnen. Ein guter Schweißer muss absolut nicht fehlerfrei rechtschreiben können – er muss nur die Vorgaben und Aufträge lesen können. Überlassen wir doch den Wissenschaftlern (in dem Fall den Sprachwissenschaftlern) die Wissenschaft: 99,9 periodisch Prozent der Menschen interessiert das nicht und sie werden dies auch nie brauchen: “Syntaktisch lässt sich substantivischer und adjektivischer Gebrauch von Pronomina unterscheiden. Bei adjektivischem Gebrauch oder bei Reflexivpronomina liegt keine Ersetzung vor“. Hä???
Ist dies ein Teil des Problems oder der Lösung?
Personal-Pronomen, Possessiv-Pronomen, Reflexiv-Pronomen, Indefinit-Pronomen, Demonstrativ-Pronomen, Interrogativ-Pronomen, Relativpronomen, Reziprok-Pronomen, Determinativ-Pronomen und Adverbial-Pronomen - ????? Muss das ein Deutschprofessor oder eine Deutschprofessorin wissen, um unserer Jugend das Lesen beizubringen? Wie ist das Verhältnis im Studium zwischen Wissenschaft (inkl. Mittel- und Althochdeutsch) und Pädagogik? Prof. Marian Heitger hat es schon 1968 erkannt: „Jedes Kind freut sich auf die Schule. Wenn sich das sehr schnell ändert, sind nicht die Kinder schuld!“.
Leider hat sich hier seitdem wenig geändert!
© Heinz Rüdisser Info-Portal Marketinggesellschaft mbH
PS: ich "genoss" eine humanistische Bildung – Teile davon waren sogar verwertbar! ![]()